there ain´t no tony anymore?
Erstmal: The Sopranos ist wirklich eine der besten TV-Serien aller Zeiten. Und: Spoilers ahead!
Warum sie eine der besten TV-Serien ist kann ich eigentlich noch nicht genau sagen, denn ich habe wie bei meinem Six Feet Under-Sprint (ca. 4 Wochenenden für 63 Folgen) wieder den Fehler gemacht und die 85 Folgen in einem zu kurzem Zeitraum geschaut (ca. 7 Wochen). Da fehlt natürlich irgendwo das Verarbeiten einer Folge: weitere eigene Gedanken machen, nicht so offensichtliche Szenen entschlüsseln und Gedanken bzw. Erwartungen zu kommenden Folgen machen. Stattdessen ging es süchtig mit der nächsten Folge weiter (damn you DVD und Internet). Für The Wire nehme ich mir aber fest vor, mir mehr Zeit zu lassen.
Aber über das Ende muss man natürlich sprechen. Man wird sehen was sich als Erinnerung an die Serie mehr durchsetzen wird, die Qualität oder der 10-Sekunden “Black Out” vor den End-Credits. Weil ganz ehrlich, hätte ich die Serie die ganzen 8 Jahre (inkl. 21-monatigem Hiatus) mit Herzblut verfolgt, hätte ich David Chase wohl wirklich gerne gelyncht. Ich meine, wenn man sich die Reaktionen in den Blogs, Foren und Zeitungen anschaut und auch das der Webserver von HBO in die Knie gegangen ist, weil anscheinend alle dachten, das dies eine Störung sei, zeigt ja das hier etwas nicht erwartungskonform abgelaufen ist. Auch ich bin nochmal hochgeschreckt, weil mich diese Abruptheit, dieses so plötzliche Ende doch überrascht hatte, obwohl ich durch die lebhafte Diskussion im Netz und dementsprechen auch in meinem FeedReader etwas gespoilert war.
Allerdings, und das ist es was ich an diesem Ende so genial finde, nach ein paar Stunden nachdenken und nachlesen verfliegt der Ärger und man sieht ein wie großartig und vielschichtig dieses Ende ist. Zum einen weil es überhaupt eine Diskussion hervorbringt die weit über das übliche Gerede von gutem oder schlechtem Ende hinausgeht und zum anderen weil es sich sehr gut in die Andersartigkeit von The Sopranos hineinfügt [Stichwort: Paulie kommt in Gefängnis (zwischen Season 3 und 4), Bobby und Janice heiraten (Season 4 und 5), der Russe aus "Pine Barrens" (03x11) taucht nie mehr auf]. Und natürlich es auch nicht so das bei diesem Ende nichts aufgearbeitet wird, denn es findet irgendwie alles seinen Abschluss, mehr aber bei Alan Sepinwall.
Die eigentlich alles entscheidene Frage, die auch die ganze Empörung verständlicherweise auslöst, wird allerdings nicht geklärt, sondern eher provoziert. Ob Tony weiterhin der Boss in New Jersey ist oder wirklich tot, da bin ich mir noch nicht ganz sicher, vor allem weil ich es ihm nicht wünschen würde. Ich tendiere aber, unter anderem dank diesem großartigen Artikel von Bob Harris, zu einem frühzeitigen Ableben von Anthony Soprano.
Eine kurze Bemerkung zu den ganzen Theorien da draußen: Eine beliebter Punkt der immer wieder gerne herangezogen wird, ist die Musik (Journey – Don’t Stop believing). Die Vertreter der “Tony ist tot”-Fraktion nehmen es als Zeichen das das letzte Wort des Songs vor dem Ende “stop” ist. Allerdings wird das “stop” zu “don´t stop” verneint. Könnte also für ein Weiterleben von Toy sprechen. Dies mal als Beispiel für die Vielschichtigkeit des Finales.
