football vs. football
Irgendwie macht es einen schon nachdenklich, wenn man die beiden Interviews mit Karl-Heinz-Rummenigge und Sebastian Deisler direkt hintereinander liest (via Planet Interview). Auf der einen Seite ein Rummenigge, für den ein Einstieg von Investoren in einen Bundesliga-Verein denkbar, wenn nicht sogar notwendig ist.
Wie lange können wir päpstlicher als der Papst sein? Die Bundesliga ist keine Insel und wird keine sein. Wir werden uns diesem Thema stellen müssen, und ich denke, wir tun gut daran, wenn wir das nicht auf die lange Bank schieben. In England beispielsweise hat unter anderem durch den Einstieg von Investoren die Qualität des Fußballs dramatisch zugenommen. Können wir da mithalten mit unserer Vereinskultur in Deutschland, die kulturell auf Kegel- und Hasenzüchterverein aufgebaut ist?
Schön, die Qualität des Fussballs hat zugenommen, aber ist das denn noch “Fussball” in England? Große Arenen in denen man Stecknadeln fallen hören kann? Durchsagen wie “Standing is asocial!”? Preise von mindestens 50 EUR für den billigsten Platz? Anstoßzeiten über den ganzen Tag verteilt, damit in China auch Premier League geguckt werden kann? Ich bin mir nicht ganz so sicher! Und auch manche Sätze wie
Es kommt nicht von ungefähr, dass diese Länder seit Jahren in allen Rankings oben stehen.
wirken sehr befremdlich. Ranking? Im Fussball heißt das immer noch Pokalsieger und Tabellenführer/Meister. Aber vermutlich meint er das auch gar nicht mehr.
Diese Aussagen sind schon allein recht erschreckend, liest man dann aber direkt danach das beeindruckende, weil offene, Interview mit Sebastian Deisler, ist man doch irgendwie schockiert. Es ist ein Beispiel dafür wie dieses Geschäft, das der Herr Rummenigge noch weiter forcieren will, mit manchen Menschen umgeht, das es Menschen fast zerstören kann. Und ein perveses Beispiel dafür, dass das Geschäft Fussball den Spaß am Sport Fussball nimmt. Aber da die Probleme Deislers eigentlich genau vor Rummenigges Augen (Bayern-Vizepräsident und Bayern-Spieler) passiert sind, ist die Hoffnung auf eine andere Entwicklung nicht besonders groß. Irgendwie traurig.
