lapland might be beautiful
Leider kann ich das nicht wirklich bestätigen, denn während ca. 90% der Zeit die wir draußen gewandert sind, herrschten Sichtverhältnisse von maximal 100m Sichtweite.
Bericht nach dem Klick und wird evtl. nochmal überarbeitet.
Fangen wir vorne an. Wie schon erwähnt, bis 24h vor Abfahrt wusste ich noch nichts von meinem Glück die nächsten 5 Tage hauptsächlich in Zügen, Bussen, Nebel und Hütten zu verbringen. Dank SMS und MSN ist es aber kein Problem die überzeugenden Argumente innerhalb einer Stunde auszutauschen und mich zum mitkommen zu überreden. Diese 24h waren dann zwar nochmal extra stressig, es mussten noch ein 2-3-Seiten Essay in Gruppenarbeit (Gott sei Dank) geschrieben, eine Präsentation über ein finnsches Unternehmen gehalten und natürlich alle Reisevorbereitungen getroffen werden. Das klappte aber alles ziemlich problemlos, so dass man super-entspannt (*hust*) Donnerstag abend die Essensvorräte auf 6 Rucksäcke verteilen konnte.
Tag 0: Tampere – Hetta (956 km)
Die erste Etappe für die hauptsächlich französisch geprägte Reisegruppe, die anderen 5 Rucksäcke hatten alle französische Besitzer ;), war dann die Zugfahrt nach Rovaniemi, knapp südlich des Nordpolarkreises. Abfahrt 22:20 und Ankunft 8:08 dürfte eigentlich alles über diese Fahrt sagen. In Rovaniemi dann auch den ständigen Begleiter für die nächsten 3 Tage angetroffen, den Nebel (oder auch brouillard oder brume, die Mitfahrer waren sich da nicht ganz sicher :P)! Und er machte die Stadt nicht schöner. Die Zeit bis zur Weiterfahrt wurde stattdessen im Santa-Claus-Center (Es gab auch ein Santa-Hair-Center und manche Baustellenschilder zeigten ebenfalls weihnachtliche Züge) bei All-You-Can-Drink-Tee vertrödelt.
Aber wohin ging es jetzt eigentlich? Antwort: Nochmal 5 Stunden oder 240km Busfahrt nach Norden zum Pallas-Yllästunturi National Park, um dort 55km durch die Gegend zu wandern. Bevor es aber losging, noch schnell festgestellt das bei den Bussen zwischen Sommer- und Winterfahrplan unterschieden wird, so dass der geplante Bus am Montag statt um 14 Uhr schon um 10 Uhr abfährt. Das brachte die Tagesplanungen etwas durcheinander, aber dazu später mehr. Die Busfahrt selber hab ich dann in der letzten Reihe weitesgehend verschlafen (die anderen glaub ich auch), denn die Sitze im Zug waren eher inkompatibel zu meiner Körpergröße :).
Tag 1: Hetta – Pyhäkero (ca. 5km)
Freitag gegen 16 Uhr dann endlich in Hetta angekommen, lagen noch ein See und 5km Wanderung zwischen uns und unserer ersten Übernachtung. Den See überquerten wir dank der Hilfe eines Einheimischen problemlos per “Boot”.
Und auch die 5km überwanden wir zügig und bekamen einen ersten Eindruck der Landschaft Lapplands. Zu allererst fiel die absolute Stille auf und zusammen mit den sehr trostlos wirkenden Bäumen waren dann Gedanken an Hexen, “Blair Witch Project” und anderes schauriges Zeug nicht weit :).
Nach 21 Stunden in Bewegung fanden wir schließlich ein sehr hübsches Häuschen (Foto) für unsere 1. Nacht in Lappland vor. Das Haus bestand aus einem großen Raum mit einer Holzliegefläche für 5 1/2(!) Personen, einer Feuerstelle und einem 2-flammigen Gasherd, was in etwa der Standardausstattung der Häuser auf dem Wanderweg entspricht. Zu den Häuser/Huts, die man ca. alle 5-10km vorfindet, muss man noch sagen, das sie komplett kostenlos zu nutzen sind. Man sollte sie halt nur so verlassen, wie man sie vorgefunden hat. Sehr praktische und gute Sache. Für uns endete der Abend dann mit Suppe und (natürlich) Makkara, bevor wir uns auf die Liegefläche quetschten. Zwischendurch spähte man dann doch noch mal nach draußen um eventuell ein paar oder wenigstens ein Polarlicht mitzubekommen. Der komplett bedeckte Himmel vehinderte dies allerdings.
Tag 2: Pyhäkero – Hannukuru (22 km)
Nach einer relativ entspannten Nacht führte uns die 2. Etappe 22 km gen Süden nach Hannukuru, wo auf uns auch eine Sauna warten sollte. Vorher ging es dann aber erstmal “etwas” bergauf und je höher man stieg je schlechter wurde die Sicht. Angeblich hätte man von oben bis nach Norwegen und Schweden sehen können, aber heute schafften das nur die, die ihre Augen fest genug zusammenkneifen konnten und genügend Phantasie mitbrachten. Leider gibt es deshalb auch nicht soviel zu berichten, da der Blick meist nur nach vorn gerichtet war, zur Seite gab es schließlich immer nur das selbe Bild.
Wundersamer weise war es auf der anderen Seite dann endlich wieder etwas freundlicher und wir konnten weiter als 100m in die Ferne schauen. Und was man sah, entsprach in etwa dem Bild von Lappland: reichlich karg mit vielen Nadelbaum-Ansammlungen.
Nach einer Mittagspause zusammen mit zwei Waldarbeitern(?) die auf ihrem Squad standesgemäß ein Rentier-Geweih dabei hatten, mussten dann noch die letzten 10 km absolviert werden bevor es in die Sauna ging. Vorher hieß es allerdings noch, wieder auf den richtigen Weg zu gelangen. Da der gesamte Trail mit Pfeilen markiert ist, die netterweise alle 30-200m am Wegesrand stehen, konnte man den Weg auch von weitem leicht erkennen und mit einer kurzen querfeldein-Einlage waren wir dann auch schnell wieder in der Spur.
Wie auch die ersten 13 km, war heute auch der zweite Tagesabschnitt nicht so spannend, denn sobald es wieder bergauf ging, nahm die Sicht rapide ab. Einzig eine Herde Rentiere versteckt im Nebel ist hier eine Erwähnung wert. Aber alleshalb so schlimm den das Highlight des Tages wartete eh am Ende: Eine richtige finnische Sauna inkl. (eiskaltem) See. Schnell die Sachen in einer weiteren Hütte verstaut, die wir uns diesmal mit drei Finninnen teilen mussten. Zusammen mit zwei älteren Damen bei einer kurzen Pause am Vormittag, einem älteren Ehepaar in der Nachbar-Hütte und drei jungen Wanderern unterwegs, sowie den oben angesprochenen Waldarbeitern, die einzigen Menschen die wir zwischen Hetta und Pallas am gesamten Wochenende gesehen haben. Wobei das nicht ganz richtig ist, denn in der Sauna haben wir noch den sehr netten Finnen Matti kennengelernt, der die Wanderung in die entgegengesetzte Richtung alleine unternahm. Die Sauna selbst war sehr, sehr angenehm, nur der nahegelegene See war dann doch ein kleines Stück zu kalt. Mehr als wenige Sekunden konnte man es darin leider nicht aushalten. Dennoch tausendmal besser als die Sauna in Lukonmäki :). Der Rest des Abends verlief wie zuvor sehr entspannt und so waren wir diesmal auch recht früh (wobei ich mein Zeitgefühl total verloren hatte, vll. wars doch spät :)) im Schlafsack.
Tag 3: Hannukuru – Pallas (28 km)
Am nächsten Morgen gings recht früh raus, denn wir wollten uns die Möglichkeit offen halten schon an diesem Tag am Ziel in Pallas anzukommen. Das Problem lag nämlich darin, das die letzte Hütte vor unserem Ziel noch 8km von dort entfernt lag und unser Bus bereits um 10 Uhr starten würde. Und das wiederum hieße 5/6 Uhr aufstehen, um die letzten Kilometer auf steinigem Untergrund zu hetzen.
Das Wetter hatte sich für heute nicht wirklich in Schale geschmissen, sondern wurde eigentlich noch schlimmer: In Form von kleinen Regentropfen. Diese wurden einen endlos langen Berg hinauf immer größer und zahlreicher, so dass wir ziemlich durchnässt 13 km später unsere Mittagspause abhielten. Trotz der nassen Klamotten und dem grausigen Wetter wollten wir aber noch weiter. Am nächsten Morgen die restlichen 8km abzureißen war keine Option mehr. Außerdem hatten wir noch recht viel Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit, so dass die letzten Kilometer eigentlich(!) entspannt absolviert werden könnten.
Allerdings spielte das Wetter und auch das Gelände nicht mit, denn der Regen hörte genauso wenig auf wie der nächste Anstieg. Und aufgrund des dichten Nebels und Regens um uns herum konnten wir auch nicht wirklich bestimmen wie weit es noch war, denn die einzigen Orientierungspunkte aus der Karte waren andere, jetzt unsichtbare, “Gipfel” oder besser Hügel. So war das “Pallas 1 km”-Schild ein echter Motivator :). Letzendlich war es dann zwar noch ein bisschen mehr als 1 km, da wir “kleine” Probleme hatten unsere Hütte zu finden, aber Hauptsache am Ziel. Diese war dann leider von allen von uns genutzten Hütten, die unkomfortabelste. Tipi-förmig mit offenem Dach (für den Rauchabzug) und vll. 5 Schlafplätzen. Zusammen mit unseren komplett durchnässten Sachen war es dann auch recht schwer richtige Wärme zu erzeugen. Aber es wartete am nächsten Tag ja nur eine 19h-Rückfahrt.
Tag 4: Pallas – Tampere (901 km)
Insgesamt verlief diese Rückfahrt dann wieder recht entspannt. Einzig in Kittila mussten noch 3 1/2 Stunden überbrückt werden, bis man den Bus nach Rovaniemi besteigen konnte. In einem netten kleinen Kaffee bei heißer Schokolade und finnischen Zeitschriften (pink allez), sowie mit einem ausgiebigen Mittagessen im Kassenbereich des lokalen K-Market (:)) konnte die Zeit auch hier relativ locker tot geschlagen werden. Das Umtauschen der Fahrkarten in Rovaniemi war dann auch kein großes Problem (eigentlich war die Rückfahrt für 21 Uhr geplant, aber dank des frühen Busses erreichten wir schon den 18 Uhr-Zug nach Hause). Während der Finne vom Vortag vorrausblickend ein Schlafabteil gebucht hatte (bzw. sein Freund, der ihm das Ticket dann auf sein Handy schickte. Eat this, Deutsche Bahn!), durften wir uns wieder mit den normalen Sitzen arrangieren. Nach doch irgendwie langen 10h, erreichten wir um kurz nach vier wieder Tampere, wo der nächste Bus nach Hause aber erst um 5 Uhr startete. Teilweise stehend schlafend, an die Dusche und das eigene Bett denkend ging die Zeit dann auch irgendwie rum und gegen halb sechs war dann jeder wieder zu Hause.






