The Big Dance, Cinderella Story, Sweet Sixteen, Elite Eight und Final Four. Alles Begriffe die fest mit einem der meist diskutiertesten Sport-Ereignisse zusammen hängen: Die March Madness! Bei der March Madness handelt es sich genauer um die NCAA Men’s Division I Basketball Championship, also quasi die US-amerikanische Hochschulmeisterschaft im Basketball. Nur ist dies kein Turnier in einer Dreifachsporthalle, sondern findet über die ganzen USA verteilt in Hallen statt, in denen auch in der NBA gespielt wird (auch wenn ich über die schwache Zuschauerresonanz in der ersten Runde etwas überrascht bin.

Der College-Sport ist in den USA enorm wichtig bzw. übersteigt teilweise auch das Interesse der Profiligen. Das liegt daran, dass die großen Profiligen NFL, NBA, NHL und MBL keinen Unterbau haben, also keine 2., 3. Liga wie z.B. in Deutschland. Diese Rolle übernimmt dort nun der College-Sport, der auch der Hauptrekrutierungsort für neue Stars und Profis ist. Durch das Studium auf einem der vielen vielen Colleges, können sich auch viele US-Amerikaner mit einem College-Team identifizieren (“Support your local team”). Diese Identifikation greift auch oft tiefer als die Zuneigung zu einem der Profiteams, die ja auch gerne mal quer durchs Land verkauft werden. Somit bekommt die March Madness auch gleichzeitig eine höhere emotionale Bedeutung.

Doch auch durch unendlich viele sogenannte “Office-Pools” ist die March Madness DAS Gesprächsthema der nächsten drei Wochen in den USA. Diese “Pools” sind einfache Tippspiele, wie auch hierzulande zu WM oder EM, bei denen der komplette Spielplan vorhergesagt wird. Der Spielplan oder “Bracket” ist ein normales K.O.-System wie man es z.B. vom Tennis her kennt.

Am “Selection Sunday”, der Sonntag vor dem Beginn der March Madness, entscheidet eine Jury über die Teilnehmer und deren Setzpostion beim Turnier. Dazu nimmt sie die reguläre College-Saison zu Hilfe, in der jede der 347 Schulen in einer von 32 “Conferences”/Ligen teilnimmt. Anhand der Statistiken (Siege/Niederlagen, Siege gegen starke Teams, Siege gegen Teams aus starken Ligen) aus diesen Ligen, wobei wohl auch Freundschaftspiele dazu zählen, wählt die Jury 65 Mannschaften aus und ordnet diese in vier Regionen (West, Midwest, South, East) nach der von ihnen geschätzten Stärke. Dieses Prozedere ist wohl ziemlich kompliziert und ruft bzgl. Teilnehmer und Setzung regelmäßig starke Diskussionen hervor. Ich habe es hier jetzt auch nur verkürzt dargestellt und übernehme auch keine Verantwortung für die vollständiege Korrektheit.

Sind nun 65 Teams ausgewählt und gesetzt, spielen die beiden “schwächsten” Teams am Mittwoch vor Turnierbeginn in einem “Play-In-Game” den 64. Startplatz aus. Anschließend ist der Spielplan komplett und sieht zum Beispiel für die diesjährige March Madness so aus. Es ist leicht einzusehen, dass sich das hervorragend für ein Tippspiel eignet, weshalb die Büro-Tippgemeinschaften so beliebt sind. Übrigens: Mein persönliches “Bracket”. Insgesamt kann man die Beliebtheit der March Madness und der Tippspiele auch daran erkennen das selbst der Präsident den Spielplan ausgefüllt und auf whitehouse.gov veröffentlicht hat.

Neben aller Begeisterung im Vorfeld hat auch die eigentlich March Madness interessante Dinge zu bieten. Das sportliche Highlight ist wohl eine Cinderella-Story bzw. im kleineren ein “Upset”. Ein “Upset” heißt, dass ein niedriger gesetztes Team ein vermeintlich stärkeres aus dem Turnier wirft. Je größer der Unterschied in der Position umso größer das Echo danach. Und bereits am ersten Tag der diesjährigen March Madness gab es ein beachtlichen Sieg der an 12 gesetzten Western Kentucky University gegen die Nummer 5 Illinois. Die Hilltoppers haben damit das Potenial zur diesjährigen Cinderella-Story zu werden (ein schwach gesetztes Team kommt unerwartet sehr weit).

Es sollte hier aber auch besonders die Fernsehübertragung hervorgehoben werden: Das Turnier mit insgesamt 63 Spielen findet an nur drei Wochenende (Donnerstag bis Sonntag) im März (Überraschung!!!) und April statt. Die erste Runde am 19/20.03, die zweite Runde folgt ohne Pause am 21/22.03. Sweet-Sixteen und Elite-Eight folgen am Wochenende drauf am 26/27. bzw. 28/29.03 und die abschließenden Final Four am 4. und 6. April. Das heißt für den übertragenden Sender CBS speziell in den ersten Runden viele Spiele gleichzeitig, was sie meiner Meinung nach aber sehr elegant gelöst haben: Die Spiele starten innerhalb von 5 “Staffeln” (17 Uhr MEZ, 20Uhr MEZ, etc. bis 2Uhr30 MEZ) zeitversetzt, was bedeutet, dass zum einen den ganzen Tag über mindestens ein Spiel läuft und zum anderen, dass wenigstens ein Spiel sich in der spannenden Schlussphase befindet. Sehr zapping-intensiv, aber man kann mehr Spiele länger verfolgen und sowieso insgesamt mehr Basketball sehen.

Kommen wir aber nun zum Clou der ganzen Geschichte, denn ohne ESPN America (gibt es im kostenpflichtigen Kabelnetz) hat man hier in Deutschland eigentlich nicht die Chance überhaupt etwas von der March Madness mitzubekommen: Die NCAA überträgt zusammen mit CBS alle(!) Spiele kostenfrei(!) in HDTV(!) übers Internet, ohne(!) Länderbeschränkung. Und speziell der HDTV-Stream ist sensationell: grandiose Qualität, keine Fehler, kein Ruckeln, kein Zwischenspeichern. Als würde man eine DVD gucken! Notwendig ist dazu allerdings Firefox, Microsoft Silverlight und eine 2Mbit-Leitung.
Achja: Der Boss-Button (viele Spiele sind tagsüber) im CBS-Player ist der Knaller!