Uefa, Fussball und die Politik
Bei der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die Fussball-Europammeisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine hat die UEFA meiner Meinung nach eine gefährliche Tür aufgemacht. Sie hat von vornerein ausgeschlossen, dass sowohl Russland und Georgien als auch Armenien und Aserbaidschan in eine gemeinsame Gruppe gelost werden.
Statt Probleme in den Gruppen zu schaffen, verhindern wir auf direktem Wege politische Fragen.
Wir möchten Sport mit Politik nicht vermischen, und wenn wir diese Länder trennen, dann vermeiden wir politischen Fragen.
Michel Platini
Letztes Jahr, anlässlich des Spieles Türkei – Armenien, hörte sich das noch ganz anders an
Der Handschlag zwischen den Präsidenten bei der damaligen Partie wurde von der Weltpresse als historischer Augenblick gewürdigt, der eindrucksvoll bewiesen habe, dass der Sport die Völker zusammenbringt.
Durch solche Aussagen führt der Uefa-Präsident sich selbst aber auch andere, sehr löbliche, Aktionen der Uefa ad absurdum. Beispielsweise die Förderung von Kindern in Open Fun Football Schools.
[...]Dazu gehören Bosnien-Herzegowina, EJR Mazedonien, Serbien, Montenegro, Kroatien, Georgien, Aserbaidschan, Armenien und Moldawien. Neben der Vermittlung von Spaß am Fußball geht es in den Aktionen vor allem darum, die Kinder durch Dialog und Zusammenarbeit zu versöhnen und zu integrieren.
Quelle
Wie soll man Kindern Versöhnung beibringen, wenn es die eigene Nationalmannschaft nicht schafft, 90min gegen eine andere Mannschaft Fussball zu spielen.
Aber auch andere größere Kampagnen wie zum Beispiel die Respect-Kampagne, u.a. mit dem Untertitel “Respect The Game” verlieren durch solche Entscheidungen ihren Sinn und Wert. Für mich gehört für die Anerkennung des Spiels und seiner Regeln auch dazu, dass man gegen jeden Gegner der einem zugelost wird, spielen kann. Sollte das nicht der Fall sein, wie anscheinend bei Armenien und Aserbaidschan, dann hat man im Fussball auch nix verloren.
Die Uefa sollte hier also ihren eigenen Grundsätzen folgen und Armenien und Aserbaidschan ganz einfach auschließen, wenn sie sich solch einem Aufeinandertreffen verweigern, und solchen Problemen nicht einfach aus dem Weg gehen. Und wenn man schon dem Grundsatz “Don’t mix sports with politics” folgen will, dann sollte man aber auch vertreten, dass der Sport eher eine gleichberechtigte, wenn nicht sogar eine übergeordnete Rolle (s.o.) impliziert und keine unterwürfige.
Denkt man die aktuelle Position der Uefa nämlich weiter, hieße das, dass Länder durch politische Handlungen Einfluss auf Qualifikationsauslosungen nehmen und sich auf diesem Wege passende Gruppen zusammenstellen könnten. Und das kann die Uefa ja auch nicht wollen.