Ich lehne mich heute mal weit aus dem Fenster und nehme die Schlagzeile des morgigen Tages vorweg, denn ich glaube nicht, dass Apple heute etwas phänomenal Neues verkünden wird. Also “phänomenal” im Sinne der Mainstream-Presse. Dieser SpOn-Artikel ist da ein gutes Beispiel, denn er fasst diese hyperventilierende Erwartungshaltung in einem Abschnitt gut zusammen:
Bliebe es bei einer neuen Version des iPhone 4, würde der Konzern zum ersten Mal seit 2007 seinen Innovationsvorsprung einbüßen. Andere Handy-Hersteller bauen längst leistungsstärkere Prozessoren, größere Bildschirme und höher auflösende Kameras in ihre Smartphones ein.
Apple muss also irgendwas an seinem Telefon ändern, vor allem äußerlich, denn sonst wäre es keine Innovation. Das Apple vll. den perfekten Formfaktor für ein Smartphone gefunden haben könnte, scheint vielen nicht in den Sinn zu kommen: Änderung der Änderung willen. Ich persönlich besitze kein iPhone4, kann dies also nur aus Gelegenheitnutzung bestätigen, aber von dem was ich so mitbekomme, scheinen viele mit der Form und dem Handling sehr zufrieden zu sein, ausser das es evtl. einen Tick zu schwer ist. Ich halte daher nur minimale Änderungen (leichter, schmaler, andere Antennenanordnung) für wahrscheinlich. Das so häufig prognostizierte “Teardrop”-Design hinterlässt Zweifel, denn es wäre vermutlich “innovativ” (hier: anderers Wort für “anders”), aber ob es eine Verbesserung wäre? Gerade bei einem Gerät, dessen Ausrichtung (Portrait, Landscape, Kopfüber) egal sein soll? Bei einer Fernbedinung macht es Sinn, aber die halte ich auch nicht quer.
Jon Gruber
Symmetry is a hallmark of Apple’s iOS devices to date. They look right in any orientation. In terms of weight and thickness, they feel balanced when held in either orientation. These things are true of all existing iPhones, iPod Touches, and iPads.
Zudem frage ich mich, wieso Innovation so oft mit “höher, schneller, weiter” gleichgesetzt wird. Selbst wenn andere Hersteller derzeit bessere technische Geräte bauen, würde ich mein Geld für eine tiegreifendere Verbesserung eines Smartphones wohl noch immer auf Apple setzen. Vielleicht nicht jetzt beim iPhone5, aber warum nicht erst in der nächsten Generation? In einer vernünftigen Welt hätte Apple soviel Zeit. In unserer aber anscheinend nicht, denn der Blick auf die techn. Specs reicht heutzutage immer noch für eine Beurteilung von Computerhardware: Mehr Power, bessere Kamera, Â größerer Bildschirm (!!) genügen vollkommen um ein besser/schlechter-Ranking dahinzuschmieren. Das Gesamtpaket wird jedoch bei diesen Mainstreamvergleichen sträflich vernachlässigt, wie man es am Beispiel HTC/Android derzeit gut sehen kann. Was bringt mir eine bessere Kamera, wenn ich mein Mobiltelefon nicht auf die neueste Version updaten kann und somit Sicherheitslücken in einem meiner persönlichsten Gegenstände quasi schutzlos ausgesetzt bin?
Daher wird Apple auch ohne neuen Formfaktor der Konkurrenz in Siebenmeilenschritten vorrauseilen: alleine durch iCloud, Spracherkennung und das verbesserte Notification-System. Sowas aber interessiert den Mainstream ja nicht, geschweige denn die Apple-”Hasser”. Deshalb noch ein kleiner Rant in Richtung des berühmten Autounfalls, bei dem man nicht wegsehen kann, auch Online-Forum genannt: Man muss kein Fanboy sein, man muss Apples Philosophie nicht gutheißen und man muss auch kein einziges Gerät von Apple besitzen, aber ein klein bisschen Realitätsabgleich darf schon sein: Apple ist da, wo es jetzt ist, weil es Qualität geliefert hat. Es hat seine Marktstellung nicht missbraucht, es benötigt für den anhaltenen Erfolg kein übermäßiges Lobbytum und hat auch sonst vergleichsweise wenig Dreck am Stecken. Es ist das wertvollste Unternehmen der Welt geworden, weil es qualitativ hochwertige Produkte macht, die die Bedürfnisse vieler Menschen genau getroffen haben bzw. die Bedürfnisse erst geschaffen haben und das kann man doch endlich mal akzeptieren.
One more thing: Auch wenn es eher das Gegenteil der Überschrift bedeutet: Tim Cook wird die Tech-Welt mit einem schockierend billigen iPhone  5 überraschen. Also quasi beide vorhergesagten iPhone-Varianten in einem. Mindestens 100$ billiger als das iPhone4.
Disclaimer: Ich besitze einen iPod der 2. Generation und plane den Kauf eines iPads. Ansonsten bin ich zufriedener Windows/Linux-Nutzer.