Freiheit statt Angst

Geh mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstrieren…

… und dann sogar am Reichstag Brandenburger Tor Bundesrat.

Getreu dem Motto der Ärzte ist es heute wieder sehr schlimm und die Vorratsdatenspeicherung und andere Massnahmen zur Einschränkung der Bürgerrechte sind nicht zu akzeptieren. Also ab nach Berlin zur “Freiheit statt Angst”-Demo.

Am Potsdamer Platz dominierte dann auch schon die Farbe Orange, vor Grün und dem antikapitalistischem Schwarz. Orange Fahnen, vor grünen Luftballons und schwarzen Kapuzen. Wenn die Piraten schon so zahlreich vertreten sind, gibt es dort auch viele Beobachtungen. Die unübersehbarste war dann auch gleich das juvenile Auftreten der jungen Partei. Jedem Piratenshirt sah man an, dass es bislang nicht sonderlich oft getragen worden war und auch der Piratentruck zeugte von der übertriebenen Selbstdarstellung einer jeden neuen Gruppe. Und erst die Musikauswahl… Man schien sich eher selbst zu feiern als Inhalte rüberzubringen (obwohl die motivierten Flyerverteiler wirklich bemüht waren), denn als Aussenstehender hätte ich eher eine Love-Parade vermutet, wie auch Spiegel Online treffend formulierte. Aber solche Dance-Musik lief auch auf anderen Wagen und passte somit total in die in meinen Augen sehr merkwürdige Musikauswahl des Tages. Wie man als Warm-Up für ein eher rocklastiges Publikum (die typischen Wacken-Shirts fehlten natürlich nicht) Hip-Hop von Schwestera engagieren kann, hab ich nicht ganz verstanden. Vor allem weil Schwesta allen negativen Klischees entsprach: “Yeah, Yeah, Berliiiiiin!! Are you down? Yeah! Jo Jo Jo” Aber Musik ist jetzt ja auch der zentrale Bestandteil einer Demo. Wichtiger sind Transparente und andere Formen der Inhaltsartikulation. Highlight war die Person, die sich bis zur Hüfte als Überwachungskamera verkleidet hatte. Andere Transpis und Shirtmotive findet man hier. Schön war auch die Aktion der Grünen, die leere Plakate bereitstellten, die man dann selbst mit seinem Slogan der Wahl beschriften konnte. Insgesamt haben sich zwischen 10.000 und 25.000 Menschen an der Demo beteiligt. Bewerten kann ich die Zahl nicht, ich habe mich aber auch nicht alleine gefühlt ;)

Man sollte jedoch beachten, dass der Themenkomplex auch nicht so schwarz/weiß gesehen werden kann, wie ein Großteil der Demonstranten das wohl gerne hätte. Laut netzpolitik befanden sich auf der Demostrecke 116 Überwachungskameras, was sicherlich ne ganze Menge ist. Andererseits kam man u.a. auch am Auswärtigen Amt, am Bundesfinanzministerium und am Bundesrat vorbei. So wie die Kameras dort angebracht sind, dienen sie wohl auch nur dem Gebäudeschutz. Ich gehe daher davon aus, dass die Bilder nicht besonders lange gespeichert werden und mein Gesicht (obwohl, ich lief auf der anderen Strassenseite…) nächste Woche auf keiner Aufzeichnung mehr zu finden sein wird. Wo ich allerdings sicher noch nächste Woche, nächsten Monat und nächstes Jahr zu sehen sein werde, ist Flickr oder Picasa oder YouTube/Vimeo. Die Anzahl der Demofotografierer war wieder erschütternd hoch, für eine Demo gegen Überwachungswahn sogar haarstreubend hoch. Wenn jemand im Piratenshirt auf einer Mauer seine Videokamera 15min in die Menge hält und sich damit nicht sonderlich von einer Überwachungskamera unterscheidet, möchte man ihm zurufen “Denk doch mal nach”. Natürlich kann man jetzt den nicht ganz falschen Einwand “Staat vs. Privat” anbringen, aber ganz so einfach kann ist meiner Meinung nach auch nicht. Wenn man vom Staat verdachtsabhängige Kontrolle fordert, sollte man selber auch verantwortungsvoll mit seiner “Überwachungstechnik” umgehen und sich fragen, ob solche 15min-Filmerei wirklich notwendig ist. Schließlich ist für den Gefilmten nicht ersichtlich, was mit den Aufnahmen geschieht.

Ein verantwortungsvolles Vorgehen zeigt zum Beispiel dieses Video, das (mal wieder) überhartes Eingreifen von Polizisten zeigt. Es ist aber auch der Beweis, wie schwierig die Diskussion gegen Überwachung ist. Wieso wird dieses Video in Blogs und bei Twitter gefeiert, während Aufnahmen von U-Bahn-Schlägern als Zufälle abgewertet werden? Das es den kleinen Unterschied “verdachtsabhängig vs. verdachtsunabhängig” (nicht nur bei Videos, sondern auch bei Vorratsdatenspeicherung etc.) gibt ist klar, aber es sollte auch klar sein, dass nicht jeder in Deutschland diesem Unterschied genügend Bedeutung beimisst, denn wenn der Straftäter gefasst wird ist es ja “egal” wie es dazu kam. Und gerade deshalb sind solche Demonstrationen wichtig und in zwei Wochen sollte man Parteien wählen, die diesen Unterschied kennen. Ich zähle jetzt keine auf, weil dann müsste ich auch die FDP nennen ;) (und die anderen sind oben eh schon genannt worden)

P.S: Das Fussballfans und Antifaschisten für solche Videos, von denen es schon längst dutzende gibt, keine Aufmerksamkeit, sondern eher das Gegenteil, bekommen, ignoriere ich mal im Sinne der Sache. Auch wenn mich das mehr und mehr ärgert.

posted on 14. September 2009 in indecision 2009, internet, media, politics Kein Kommentar

Tipp24: Lotto wetten

Ah, neuer Starttag für Plan B doch erst am Montag ;) Bis dahin darf man doch noch mal träumen, welche Karibikinsel nun am besten zu einem passt.

Seinen Tippschein sollte man dabei aber möglichst nicht bei tipp24.com abgeben, denn da könnte die Freude an einem Millionengewinn beträchtlich getrübt werden. Seit dem 01.01.09 ist in Deutschland durch den Glücksspielstaatsvertrag verboten, im Internet Glücksspiel zu betreiben (zur Verhinderung von Spielsucht und Schutz von Jugendlichen), was den großen Anbietern im Internet, allenvoran tipp24, natürlich die Geschäftsgrundlage entzieht.
tipp24 ist aus diesem Grunde nach London gezogen und betreibt nun von dort aus seine Geschäfte. Auf der Internetseite werben sie noch mit Lotto, was aber faktisch falsch ist. Aus den AGB (UPDATE: oder hier):

Die Tipp24 Services Ltd., 20-22 Bedford Row, London WC1R 4JS, vertreten durch den Geschäftsführer Matteo Uberti, im Folgenden “Tipp24″, vermittelt die Tipps der Spielteilnehmer auf die Veranstaltungen Lotto, Glücksspirale, Spiel 77, Super 6, Keno, Plus 5 sowie Oddset an die MyLotto24 Ltd, 20-22 Bedford Row, London WC1R 4JS vertreten durch den Geschäftsführer Egidio Messito. Diese ist Veranstalter der Lotterien.
Der Gewinnfall tritt dann ein, wenn die Teilnehmer die richtigen Zahlen der jeweiligen Ziehungen des Deutschen Lotto- und Totoblocks tippen.

Das heißt, dass die bei Tipp24 abgegebenen Scheine nicht an die deutschen Lottogesellschaften weitergeleitet werden, sondern an ein mit Wettlizenz ausgestattetes Partnerunternehmen (Nebenbei: Ich kenn wenige Adressen, die 54.000 Treffer bei Google haben. Briefkasten?). Man spielt also kein Lotto, sondern wettet quasi auf die Lottozahlen. Die Auszahlung übernimmt tipp24 selbst.

Für den Jackpot (Gewinnklasse 1) hat das dann auch folgende schwerwiegende Folge:

8.2 Tippen mehr als ein Teilnehmer bei MyLotto24 Ltd die Zahlen der ersten Gewinnklasse (der sogenannte Jackpot) im deutschen 6 aus 49 (Lotto) richtig, so erhält jeder Teilnehmer bei Tipp24 den Gewinnbetrag, den er rechnerisch erhalten würde, wenn die gesamte in dieser Klasse enthaltende Gewinnsumme durch die Summe der Anzahl der veröffentlichten Gewinner in dieser Klasse beim Deutschen Lotto- und Totoblock und die Anzahl der Gewinner in dieser Klasse bei MyLotto24 Ltd geteilt würde.

Wenn also, sagen wir mal zwei Personen am Samstag 6 Richtige + Superzahl angekreuzt haben, einer bei Tipp24 und einer beim Kiosk um die Ecke, dann erhält der Tipper bei Tipp24: 35/2 = 17,5 Millionen, während der Gewinner bei Lotto die gesamten 35 Mio. erhält. Lotto weiß ja nix vom Tipp24-Gewinner!

Aber auch die “normalen”, geringeren Gewinne erscheinen mir zumindest fragwürdig, denn auf der Seite erscheint zur Zeit ein Disclaimer:

DISCLAIMER: Aufgrund aus unserer Sicht rechtswidriger Bestimmungen können wir vorübergehend nur Spielscheine von Kunden annehmen, die sich bei Abgabe außerhalb Deutschlands aufhalten und dies durch die Abgabe bestätigen. Ihre Gewinnchancen und -ansprüche werden dadurch selbstverständlich nicht beeinträchtigt.

Ich weiß nicht ob man sich strafbar macht, aber seriös ist das nicht. Im Falle einer Nichtauszahlung hat man dann schließlich keinen Rechtsanspruch!

Und Informationen dazu, ob der Lottogewinn dann auch weiterhin steuerfrei ist, hab ich nicht gefunden, bezweifle es allerdings ganz ganz stark.

Deshalb werd ich morgen auch wieder beim Kiosk um die Ecke abgeben und ab Montag aus Tahiti/Mauritius/weitere Klischeeinseln… weiterbloggen. Aloha! (Natürlich Quatsch: Ich bleib hier und lern weiter für die Prüfungen ;))

posted on 29. Januar 2009 in internet, media, politics 4 Kommentare

10 Jahre TDS with Jon Stewart

Letzte Woche feierte Jon Stewart bei The Daily Show sein 10jähriges Jubiläum, was allerdings nicht groß gefeiert wurde, daher auch keine Videoeinbettung. Variety hat dagegen eine kleine Textsammlung zum Jubiläum zusammengestellt und die NYTimes hatte bereits vor einiger Zeit einen lesenswerten Artikel veröffentlicht.

Bei Variety wird auch die Frage gestellt, wie es nach Ex-Präsident George W. Bush, der zusammen mit seiner Regierung die Show teilweise alleine geschrieben hat, weitergehen soll. Ich mache mir da wenig Sorgen, da zum einen auch Obama Fehler machen wird, es immer wieder Skandale gibt und die Medien weiterhin am Rad drehen werden. Und wenn nix mehr hilft schaltet man einfach zu Fox News. Das ist zwar einerseits auch erschreckend, aber doch lustig.

posted on 26. Januar 2009 in media Kein Kommentar

two medialinks for the day

Ich hätte ja nicht gedacht, dass die MZ (Münsterische Zeitung) sooo weit geht um die WN (Westfälische Nachrichten) in Sachen Exklusivität zu schlagen ;)

Bei wired.com gibt es ein sehr interessantes neues Blog: storyboard. Dort wird die komplette Entstehungsgeschichte eines Artikels über Charlie Kaufmann (Eternal Sunshine of the Spotless Mind!!) im Wired-Magazine abgebildet. Also inkl. Ideenfindung, Terminabsprachen etc.

posted on 8. September 2008 in media 2 Kommentare