links vom 03.11.11

IBM – iOS development for Java programmers
Die IBM developerWorks-Tutorials gefallen mir generell am besten, denn sie beantworten auch die Fragen, die woanders weggelassen werden und ein tieferes Verständnis erschweren.

information management II

Das (Erste Welt-)Problem ist klar: Nicht immer erhält man Informationen zum optimalen Zeitpunkt. Kleine Informationen, wie z.B. die Ankündigung eines neuen die ärzte-albums, nimmt man sofort auf und notiert sie sich gegebenenfalls. Problematisch sind komplexere Inputs, wie eine Empfehlung eines lesenswerten längeren Artikels oder aktuelle Nachrichten (z.B. Eurokrise), deren Bedeutung man nicht sofort versteht und erst Hintergründe dazu nachlesen muss. Vermutlich überfliegt man in einer kurzen Pause gerade nur seine Twitter-Timeline und hat für mehr gerade keine Zeit. Zusätzlich möchte man vielleicht auch etwas zurückgeben und seine eigenen Empfehlungen weitergeben.

Über die letzten Wochen hat sich bei mir dank mehrerer Tools ein Prozess mit bis zu 3 Schritten ( = 3 Klicks) entwickelt, der obige “Probleme” angeht.

Die wichtigsten Tools sind hierfür ifttt.com (Beschreibung bei netzwertig) und ganz besonders Instapaper (Beschreibung und Loblied bei 43Folders), die meine Quellen (Twitter, Google Reader, Foren, Mails) mit meinen Senken (Pinboard/Blog, Twitter) verbinden. Dank ifttt landet jedes Sternchen bei Twitter bzw. Google Reader in meinem Instapaper-Account, wo alle Artikel zum zeitsouveränen (auch offline dank iOS-App) Nachlesen gespeichert werden. Instapaper bietet selber die Funktion ausgewählte Artikel an Twitter und co. zu versenden, aber auch die Möglichkeit einen Artikel zu “liken” und dadurch direkt an Pinboard weiterzuleiten. Theoretisch kann man jetzt sowohl meinem Instapaper- als auch meinem Pinboard-Account (s. rechts oben) folgen, um meine persönlichen Empfehlungen zu sehen, man kann aber auch einfach dieses Blog weiterverfolgen, denn dank einem selbstgebastelten PHP-Skript und CronJob erscheinen alle Pinboard-Links einmal täglich um 7 Uhr in den “links vom xx.yy.zz”-Artikeln hier im Blog.

Noch ist der letzte Schritt nicht ganz ausgereift. Die Sonderzeichen habe ich noch nicht ganz im Griff und die Pinboard-Einträge muss ich abends auch noch mal genauer anschauen und editieren (z.B. einheitliche Titel-Formatierung), damit am nächsten Morgen alles stimmt und richtig aussieht. Zudem dürften sich durch den kurzfristig entsozialisierten Google Reader viele neue Quellen auftun (der erste Trend geht zum Tumblr-Blog), die ebenfalls noch integriert werden wollen.

links vom 01.11.11

A Sister?s Eulogy for Steve Jobs – NYTimes.com
Wenn man nur einen Text über Steve Jobs lesen will, dann wohl diese Grabrede seiner Schwester.

Love was his supreme virtue, his god of gods. He tracked and worried about the romantic lives of the people working with him. [...] He believed that love happened all the time, everywhere. In that most important way, Steve was never ironic, never cynical, never pessimistic.

schwatzgelb.de – Wir waren beim Fuߟball und haben es überlebt
Grandioser Artikel über Gewalt beim Fussball. Würde am liebesten alles zitieren.

[...]aber die ebenso simple wie unangenehme Wahrheit ist tatsächlich die: Bombastische Stimmung birgt auch immer ein Gewaltrisiko. Oder anders: Die schönen Seiten des Fußballs sind untrennbar verbunden mit den Schattenseiten. Das eine ohne das andere zu wollen, ist leider ein ebenso ehrbarer wie naiver Wunsch.

links vom 31.10.11

Wired – How Dan Harmon Drives Himself Crazy Making Community
Portrait von Dan Harmon, Erfinder der TV-Show “Community”, eine der derzeit lustigsten Comedies.

When he created a TV character who relates to the world through television, Harmon didn?t realize that he was, in a sense, inserting himself into his show. Ever since he recognized this, writing in Abed?s voice has gotten much easier; all Harmon has to do, he says, is ?open up my memory.? And he has learned to understand himself a bit better, including why?like Abed?he sometimes unintentionally hurts those around him.

Tagesspiegel – Mario Sixtus – Unmenschliche Anforderungen
Mario Sixtus über die Schizophrenie der “Ich hab immer Recht und weiß alles”-Internetpöbler.

Die Medien aber und die Bürger, auch und gerade im Internet, feuern ihre Fäkalien-Katapulte auf jeden Politiker, der sich einmal gedanklich verläuft, nur um sich einen Blog-Absatz später Politiker zu wünschen, die sich ein wenig menschlicher verhalten. Da ist er, der 21st Century Schizoid Man.

The Atlantic – Hacked!
James Fallows berichtet über die Probleme, Irrwege und Hintergründe der Speicherung von sensiblen Daten (wie. z.B. E-Mails) in der Cloud, nachdem der GMail-Account seiner Frau gehacked wurde.

links vom 28.10.11

Mother Jones – Climate Skeptics Take Another Hit
Einer der größten Klimawandelskeptiker wird massiv von der Ölindustrie gefördert und kann alle bisherigen Studien nur bestätigen:

But Muller’s congressional testimony last March didn’t go according to plan. He told them a preliminary analysis suggested that the three main climate models in use today?each of which uses a different estimating technique, and each of which has potential flaws?are all pretty accurate: Global temperatures have gone up considerably over the past century, and the increase has accelerated over the past few decades.

Matt Taibbi – Wall Street Isn’t Winning It’s Cheating
Matt Taibbi über die Motivation hinter den #occupy-Protesten.

That’s why it’s so obnoxious when people say the protesters are just sore losers who are jealous of these smart guys in suits who beat them at the game of life. This isn’t disappointment at having lost. It’s anger because those other guys didn’t really win. And people now want the score overturned.

Sogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale?
Welche Fehler machen die Medien bei der Berichterstattung über Ausschreitungen und was können sie besser machen.

Um nicht missverstanden zu werden: Es geht nicht darum, gewalttätige Ausschreitungen kleinzureden oder zu entschuldigen, sondern darum, dass es Teil der journalistischen Arbeit sein sollte, sie einzuordnen und differenziert zu betrachten, statt sie mit moralischer Empörung und Ignoranz zusammengerührt zu präsentieren. Dazu gehört auch, sie im Kontext von Fankultur und den dazugehörigen Vorstellungen von Männlichkeit, Ehre und Gewalt zu sehen.

Zum Blonden Engel » Irgendwo ein Lichtlein her
Frédéric Valin über Pyrotechnik, die Diksussion darüber und die Ignoranz des DFB.

Jetzt wundert man sich jetzt, dass es keine Selbstregulierung innerhalb der Kurven mehr gibt. Dass die sich verarscht vorkommen und nicht den langen Arm des Gesetzes machen wollen, könnte man nachvollziehen; mindestens sollte man es zur Kenntnis nehmen.

is it the end of apple?

Ich lehne mich heute mal weit aus dem Fenster und nehme die Schlagzeile des morgigen Tages vorweg, denn ich glaube nicht, dass Apple heute etwas phänomenal Neues verkünden wird. Also “phänomenal” im Sinne der Mainstream-Presse. Dieser SpOn-Artikel ist da ein gutes Beispiel, denn er fasst diese hyperventilierende Erwartungshaltung in einem Abschnitt gut zusammen:

Bliebe es bei einer neuen Version des iPhone 4, würde der Konzern zum ersten Mal seit 2007 seinen Innovationsvorsprung einbüßen. Andere Handy-Hersteller bauen längst leistungsstärkere Prozessoren, größere Bildschirme und höher auflösende Kameras in ihre Smartphones ein.

Apple muss also irgendwas an seinem Telefon ändern, vor allem äußerlich, denn sonst wäre es keine Innovation. Das Apple vll. den perfekten Formfaktor für ein Smartphone gefunden haben könnte, scheint vielen nicht in den Sinn zu kommen: Änderung der Änderung willen. Ich persönlich besitze kein iPhone4, kann dies also nur aus Gelegenheitnutzung bestätigen, aber von dem was ich so mitbekomme, scheinen viele mit der Form und dem Handling sehr zufrieden zu sein, ausser das es evtl. einen Tick zu schwer ist. Ich halte daher nur minimale Änderungen (leichter, schmaler, andere Antennenanordnung) für wahrscheinlich. Das so häufig prognostizierte “Teardrop”-Design hinterlässt Zweifel, denn es wäre vermutlich “innovativ” (hier: anderers Wort für “anders”), aber ob es eine Verbesserung wäre? Gerade bei einem Gerät, dessen Ausrichtung (Portrait, Landscape, Kopfüber) egal sein soll? Bei einer Fernbedinung macht es Sinn, aber die halte ich auch nicht quer.

Jon Gruber

Symmetry is a hallmark of Apple’s iOS devices to date. They look right in any orientation. In terms of weight and thickness, they feel balanced when held in either orientation. These things are true of all existing iPhones, iPod Touches, and iPads.

Zudem frage ich mich, wieso Innovation so oft mit “höher, schneller, weiter” gleichgesetzt wird. Selbst wenn andere Hersteller derzeit bessere technische Geräte bauen, würde ich mein Geld für eine tiegreifendere Verbesserung eines Smartphones wohl noch immer auf Apple setzen. Vielleicht nicht jetzt beim iPhone5, aber warum nicht erst in der nächsten Generation? In einer vernünftigen Welt hätte Apple soviel Zeit. In unserer aber anscheinend nicht, denn der Blick auf die techn. Specs reicht heutzutage immer noch für eine Beurteilung von Computerhardware: Mehr Power, bessere Kamera,  größerer Bildschirm (!!) genügen vollkommen um ein besser/schlechter-Ranking dahinzuschmieren. Das Gesamtpaket wird jedoch bei diesen Mainstreamvergleichen sträflich vernachlässigt, wie man es am Beispiel HTC/Android derzeit gut sehen kann. Was bringt mir eine bessere Kamera, wenn ich mein Mobiltelefon nicht auf die neueste Version updaten kann und somit Sicherheitslücken in einem meiner persönlichsten Gegenstände quasi schutzlos ausgesetzt bin?

Daher wird Apple auch ohne neuen Formfaktor der Konkurrenz in Siebenmeilenschritten vorrauseilen: alleine durch iCloud, Spracherkennung und das verbesserte Notification-System. Sowas aber interessiert den Mainstream ja nicht, geschweige denn die Apple-”Hasser”. Deshalb noch ein kleiner Rant in Richtung des berühmten Autounfalls, bei dem man nicht wegsehen kann, auch Online-Forum genannt: Man muss kein Fanboy sein, man muss Apples Philosophie nicht gutheißen und man muss auch kein einziges Gerät von Apple besitzen, aber ein klein bisschen Realitätsabgleich darf schon sein: Apple ist da, wo es jetzt ist, weil es Qualität geliefert hat. Es hat seine Marktstellung nicht missbraucht, es benötigt für den anhaltenen Erfolg kein übermäßiges Lobbytum und hat auch sonst vergleichsweise wenig Dreck am Stecken. Es ist das wertvollste Unternehmen der Welt geworden, weil es qualitativ hochwertige Produkte macht, die die Bedürfnisse vieler Menschen genau getroffen haben bzw. die Bedürfnisse erst geschaffen haben und das kann man doch endlich mal akzeptieren.

One more thing: Auch wenn es eher das Gegenteil der Überschrift bedeutet: Tim Cook wird die Tech-Welt mit einem schockierend billigen iPhone  5 überraschen. Also quasi beide vorhergesagten iPhone-Varianten in einem. Mindestens 100$ billiger als das iPhone4.

Disclaimer: Ich besitze einen iPod der 2. Generation und plane den Kauf eines iPads. Ansonsten bin ich zufriedener Windows/Linux-Nutzer.

information management

Manche Ratschläge/Prinzipien sind so offensichtlich, dass die Ergebnisse ihrer Anwendung nicht überraschend sein sollten. Und trotzdem sind sie es manchmal doch.

In den letzten zwei Wochen habe ich meine Informations-Quellen anhand des beliebten “Weniger ist mehr”-Motto überprüft und ordentlich ausgemistet. Bei Twitter folge ich 29% weniger Leuten und auch die Anzahl der RSS-Feeds im Google Reader habe ich um 18% gekürzt. Und es wirkt.

Besonders die Polemik-Quote bei Twitter ist auf ein erträgliches Niveau (wird meistens nur noch in die Timeline geretweetet) gesunken. Es lebt sich deutlich angenehmer, wenn man nicht dauernd davon liest, dass dies oder jenes ja vollkommener Scheiß ist und es jeder besser könnte. So toll Twitter auch ist, aber die Bullshit-Quote ist bei zu vielen Nutzern noch deutlich zu hoch. Dafür warte ich lieber 10min bis ich vom Erdbeben erfahre.

Im Google Reader hat besonders der Wechsel von Themen- zu Prioritäts-Ordnern Zeitgewinne gebracht. Über Tag lese ich nur noch meinen “_main”-Ordner  und fühle mich aufgrund der niedrigeren Postfrequenz seltener dazu genötigt nachzuschauen, ob es etwas Interessantes gibt. Dazu trägt auch die weiche Grenze von maximal 7 Posts pro Tag pro Feed bei, die auch nur für Aggregatoren wie fefe oder Daring Fireball gilt. Am Abend skimme ich dann durch die restlichen Feeds und nutze aggressiv den “Mark all as read”-Button. Als letzten Schritt versuche ich die Google Reader-Statistiken regelmäßiger auszuwerten und Feeds mit einer “Gelesen”-Rate von dauerhaft weniger als 10% gleich zu löschen.

Ob ich jetzt mehr Dinge “komplett verpasse” kann ich natürlich nicht sagen, aber vom Gefühl her bekomme ich von einzelnen Themen / Debatten deutlich weniger mit, was ich als sehr positiv empfinde, denn die gewonnene Zeit kann ich dann dazu nutzen die Sachen, die mich wirklich interessieren, intensiver zu verfolgen.

tl;dr: Weniger ist mehr.

bad science

Brian Cox (Wired UK Edition – Oct 11):

It’s a good rule of thumb that if you understand the title of a paper, it’s probably not really very good.

Ich mag ja solche Sätze. Ein bisschen populistisch, aber wahr.

lesefutter III

Kurze Zusammenfassung des Sommers

Nicholas Schmidle – Getting Bin Laden (New Yorker)
What happened that night in Abbottabad.

Malte Welding – Die Aufhörer (Berliner Zeitung)
Ich weiß nicht mehr genau warum, aber der Text war gut! Wirklich gut!

Robert Engelman – What a population of 7 billion people means for the planet (The Guardian)
Titel sagt alles. A little bit scary.

Alex Blumberg / Laura Sydell – When Patents Attack (NPR)
Schockierendes US-Patent-System

Cory Doctorow – The real cost of free (The Guardian)
Passt zur aktuellen Urherberrechts-Debatte
 

kandinsky and the red hot chilli peppers

Besuch der Stuttgarter Staatsgalerie:

  • Langeweile bringt dich 200 Jahre später in Museen. Manchmal, wenn mir langweilig ist, fotografiere ich aus Spaß Essen. Es ist oft ästhetisch, man kann Perspektiven ausprobieren und es ist hinreichend dokumentationswürdig. In Anbetracht der Anzahl an “Stilleben Esstisch”-Bilder in Museen muss eins meiner Bilder statistisch gesehen bald auch in einem Muesum hängen.
  • Enough of the Maria and Jesus-Pics.
  • Wassily Kandinsky ist für die Kunst das, was die Red Hot Chilli Peppers für die Musik sind. Jedenfalls für mich. In der Theorie müsste ich beide wirklich mögen, in der Praxis find ich beides weitgehend belanglos.
  • Die Staatsgalerie hat einen schönen Boden!
  • Die Infotafeln sind in der Staatsgelerie doch sehr für Kenner gemacht. Klar, den Unterschied zwischen dem Einfluss der italienischen frühen Renaissance und dem Einfluss der französischen Renaissance auf Maria-Abbildungen in Norditalien muss man für mich jetzt nicht betonenen, der liegt schließlich auf der Hand, aber Kunstanfänger können damit eher wenig umgehen.