Hihi, eine Mail bekommen mit dem Betreff: “Der Herbst kommt!” Das ist schon sehr ironisch, wenn man im Hinterkopf hat, das es am Sonntag und Montag -9/-10° C werden soll. Noch besser wird es, wenn man danach die Vorhänge aufmacht (ich weiß, merkwürdige Reihenfolge) und von einer schneeweißen Umgebung begrüßt wird :)
Nachdem man das Nachtleben in der 10km entfernten Tampere-Innenstadt schon ziemlich gut kennengelernt hat, ist dann der Besuch aus Deutschland dafür da, die Stadt auch bei Tageslicht etwas mehr zu erkunden als die Haupteinkaufsstraße. Zum Beispiel ein Blick über Tampere vom Näkotorri aus.
Blick über Tampere
Der Näsijärvi
Die Hochäuser am Horizont bilden das Uni-Viertel
Keskustori in der Mitte (erkennbar am Schornstein)
Nach 10 Monaten Wartezeit endlich wieder ein neues Land in dem ich ein Fussballspiel gesehen habe. Allerdings ohne großen Aufwand, denn nicht mal die Karte hab ich selbst gekauft. Zählt also irgendwie nicht richtig, aber das wird mit einem Länderspiel in Helsinki noch nachgeholt. Natürlich hätte man auch vorher schon zum Fussball gehen können, aber irgendwie waren meine Erwartungen an die finnische Liga nicht sehr hoch. Besonders als ich das “Hass”-Derby in Tampere gegen Turku (so wurde mir hier vielfach berichtet, Turku ist hier die wohl die “verbotene” Stadt und das nicht nur im Fussball) bei meiner Ankunft um einen Tag verpasst habe und dort nur 4000 Zuschauer erschienen (Tampere ist der aktuelle finnische Meister wohlgemerkt).
Also heute dann halt UEFA-Cup gegen Girondins Bordeaux. Das Stadion hatte man schon mehrfach gesehen, denn es liegt nur 300m vom Keskustori (Stadtzentrum) entfernt. Ein All-Seater für ca. 16000 Zuschauer mit einer überdachten Hauptribüne, alle anderen Plätze unüberdacht. Allerdings wird das Stadion nicht mal halb gefüllt, nur geschätzte 6-7000 Zuschauer wollen sich den Kick anschauen, meine Erwartungen wurden also nicht enttäuscht :(. Allerdings gab es dann doch eine größere Fangruppierung auf Seiten der Finnen, die mehr Stimmung als erwartet ins Rund brachte. Zwar wurden meist einfachere Lieder und auch nicht durchgängig gesungen, aber das mit ca. 50 Mann wirklich komplett(!) geschlossen und ein altbekannter youtube-Hit war dann doch dabei. Auf Seite der Franzosen haben ca. 60-80 Bordeaux-Anhänger den Weg nach Finnland auf sich genommen. Im Stadion waren es dann allerdings 2 Fanblöcke, einer auf der Tribüne und die Ultras (90min Fahne haltend, weil die Ordner das mit dem Werbung überhängen erstaunlicherweise noch genauer nehmen als ihre deutschen Kollegen) in der Kurve. Zusätzlich gab es dann noch einen dritten französischen Fanblock und ich irgendwie mittendrin: 15 Erasmus-Franzosen :). Alle 3(!) machten dann auch gelegentlich auf sich aufmerksam.
Das Spiel war dann glücklicherweise eins der unterhaltsamen Sorte. Direkt nach 5 Minuten rannte ein United-Spieler völlig frei aufs Tor zu, vergab aber in unendlich kläglicher Weise. Nach ca. 10 Minuten dann die zu diesem Zeitpunkt verdiente Führung für Tampere, die sie bis zum Halbzeitpfiff halten konnten. Bei Bordeaux hatte man den Eindruck sie würden Tampere etwas unterschätzen (bspw. stand ein Johan Micou nicht in der Startaufstellung), so daß sie in der 2. Halbzeit mit deutlich mehr Elan auf dem Platz waren und direkt nach 4 Minuten den Ausgleich machten. Auch im folgenden war Bordeaux die überlegene Manschaft, doch das nächste Tor fiel für Tampere, Und was für eins! Traumtor per excellence.
Allerdings sollte es nicht reichen für Tampere, denn Bordeaux war klar die bessere Mannschaft und drehte das Spiel noch in der Nachspielzeit, sehr bitter natürlich, aber wenn man andererseits von Bordeaux nach Tampere zum Fussball fährt gibt es wohl keine besseren Spielverlauf.
Ein freier Tag, ein freundlicher Link, die Bestätigung das die Kamera unterwegs ist und die Feststellung das alle zu lesenden Texte ziemlich langweilig sind, lassen mich dann doch zu dem Schluss kommen hier mal endlich anzufangen über Finnland zu schreiben. Fangen wir aber erstmal nur stichwortartig mit den ersten Eindrücken der ersten 20 Tage (aah, 20 Tage schon?) an:
Ja, Finnland ist teuer! Im Supermarkt liegen die Preise zwischen 10 Cent mehr und doppelt so teuer wie in Deutschland. Allerdings hab ich da noch kein System endecken können, welche Produkte warum deutlich teurer sind und welche nicht. Bananen liegen in etwa auf dem gleichen Niveau, Salzstangen gibt es hier aber nicht unter einem Euro. Schokolade bekommt man ausser einer Marke im Lidl auch selten unter einem Euro für 100g. Allerdings sind die nichtalkoholischen Getränke in den Bars und Kneipen abends überraschend günstig (selten mehr als zwei Euro für 0,3 Cola). Ein richtiger Halsabschneider ist hier aber der öffentliche Nahverkehr. Zum einen gibt es kein Semsterticket für Studenten, sondern nur 50% Rabatt auf den Normalpreis von 2 Euro und zum anderen muss man hier zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens zwei(!) Euro Nachtzuschlag zahlen, selbst mit einem Monatsticket. Das heißt ein netter Abend in der Innenstadt kostet also mindestens vier Euro allein für die Anfahrt. Der schlaue Mitleser denkt sich hier natürlich, dann bleibt man halt länger als 5Uhr weg. Jaha, nur leider machen hier alle Bars/Discos/Kneipen um 4 Uhr zu, da nach vier kein Alkohol mehr verkauft werden darf.
Wo wir auch schon beim nächsten Punkt wären, die Finnen lieben Alkohol. Ich habe selbst in diversen Ruhrpottbahnhöfen an Spieltagen selten soviele “kaputte” Menschen gesehen wie hier an einem normalen Wochenendabend. Allerdings bewegt sich das alles in einem sehr friedlichen Rahmen. So daß es nicht wirklich negativ auffällt.
Apropos negativ auffallen: Mit einem ca 40m hohen Schornstein mitten in der Innenstadt hat Tampere eher geringe Chancen auf den UNESCO-Weltkulturerbe-Status (Foto folgt).
Geringe Chancen (Gerhard Delling allez) bestehen im Moment auch auf mehr Text, da ich die anderen Themen Uni und Landschaft doch lieber in gesonderten Artikel unterbringen möchte.